, ,,MARQUE DE DESIR'', (Etude préparatoire pour ,,Innocente XXX'' ). Book, unique copy

,,MARQUE DE DESIR'', (Etude préparatoire pour ,,Innocente XXX'' ). Book, unique copy

Collage
Size: 12.2 H x 17.3 W x 1.6 in

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Art Description

Collage: Paper

Size: 12.2 H x 17.3 W x 1.6 in

Book, unique copy, imperial-in-folio (44 x 31 cm) ca. 40 original monotypes on white 70g paper, hand-bound by the artist in collage technique without a press, signed in colophon. August 2011. MORE PHOTOS ON DEMAND, (e.g. of green/blue binding).
*
Es ist geradezu eine fixe Idee zeitgenössischer ,,Künstler'', dass jeder von ihnen politische Kunst machen will, und dass sie in avantgardistischem Anspruch (dabei gibt es gar keine Avantgarden mehr) das Gleiche auch von allen übrigen Schaffenden verlangen: Blut soll spritzen, denn das Spritzen von Blut ist vorgeblich authentisch und unvergänglich, es muss nach verbranntem Fleisch stinken und es müssen überall Tote herumliegen. Das allein sei Kunst, das allein sei echt, werden wir belehrt, der Rest ist für Muttersöhnchen. Wer bei diesem postavantgardistischen Polit-und Kunstzirkus nicht mitmacht - wer bewusst die leisere Stimme wählt - der hat zum Vornherein seine Kapitulation unterzeichnet. Politik, das ahnen viele, die heute mitten in der Krise leben, Politik ist der eingeborene Vorteil, dessen sich die Schwachen gegenüber den Satten und Reichen gewiss sind, und der sie zu den eigentlich Starken gegenüber den eigentlich Schwachen macht. Doch vergessen sie darüber nur zu gern, dass Politik, als Rohstoff, keineswegs ungefiltert, keineswegs ohne vorausgegangene geistige Aufbereitung in die Kunst eingehen kann. Niemand wird Erdpech in den Tank seines Wagens füllen und erwarten, der Wagen laufe. Wer diesen Grundsatz nicht achtet, dessen Leidenschaften werden künstliche, konstruierte, falsche Leidenschaften sein. Von den alten Griechen heisst es, sie hätten gewusst, dass sie sich durch ihre schönen Augen von den anderen Völkern unterschieden. Die Schönheit dieser Augen war imstande, die Dinge ohne Verzerrung zu erkennen. An diesen ursprünglichen Punkt, so glaube ich, an diesen unverzerrten Ort jenseits banaler Politik, jenseits der Ideologien und der Klischees, an diesen Ursprung einfacher Wahrheiten sollten wir zurück, dort und nur dort den unverzerrten Blick der alten Griechen erneut lernen, erneut wagen, auch wenn nicht minder zutrifft, was ein anderer Grieche, der Philosoph Heraklit, früh schon zu bedenken gab: keiner, so Heraklit, badet zwei Mal im gleichen Fluss. Alles ändert sich, alles ist im Fluss, wir vergessen es nur zu gern, und was das erste Mal Tragödie war, das wird das zweite Mal zur Farce. War es früher leicht, beim Publikum Skandale zu erregen, so beklatschen die Heutigen jedes Stück Scheisse, oder schweigen zumindest wohlerzogen. Gerade deswegen sollten wir ganz schlicht der inneren Stimme vertrauen und folgen, nicht den vermeintlichen Wirkungen, die von vorgeblichen Handlungen ausgehen, denn es kann sehr gut sein, dass sich am Ende die ganz kleinen Probleme -- die unscheinbare, verquere Art, wie die psychischen Rädchen laufen -- als die eigentlich wichtigen, als die ganz grossen, bedeutsamen Dinge herausstellen, unendlich wichtiger jedenfalls als alle Weltpolitik. von der ohnehin feststeht, dass sie mehr und mehr zu einem untergeordneten Teil der globalen Unterhaltung wurde, gefüttert heute noch mit richtigen Toten, bald aber schon - hoffen wir es zumindest - mit Attrappen, und dann wird alles so banal sein wie schlechtes Fernsehen oder wie schlechte Pornographie. Und das Einzige, das dann noch zwischen Kunst und Dreck unterscheidet, das wird der Unterschied zwischen dem Einen und seinem Gleichen sein, nur eben, dass es das eine Mal gut gemacht ist und das andere Mal schlecht, und dass derjenige, der schuf, das eine Mal ehrlich zu schaffen und zu denken imstande war, und das andere Mal nicht. Es wird der alleinige Unterschied zwischen Intelligenz und Dummheit sein, der am Ende über Sein und Nichtsein von Kunst bestimmt, keineswegs, wie so viele meinen, der Unterschied zwischen neu und alt, der Unterschied zwischen linkskritisch und rechtskonservativ, der Unterschied zwischen Avantgarde und Tradition.

Keywords: book, monotype, collage, drawing, unique copy, bibliophily, nude

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Comments (3)

2 years ago

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